In der aktuellen Ausgabe des Getting Things Done (GTD) – Newsletters stellt David Allen seinen Lesern eine sehr wichtige Frage: Should you get more disorganized?
Bei GTD geht es ja vorallem darum, sich selbst so zu organisieren, dass man es schafft, in einem existierenden Umfeld, die einen umgebende Komplexität zu kontrollieren und so effizient wie möglich darin zu agieren. Legt man den Fokus aber ausschließlich darauf, seine Arbeits- und Denkweisen auf ein gegebenes Umfeld hin zu optimieren, so ist die Gefahr groß, sehr schnell das Umfeld selbst nicht mehr zu Hinterfragen, nicht mehr zu verändern, zu verbessern, da man seine hart erarbeitete Komfortzone nicht mehr bereit ist zu verlassen.
Kontinuierliche Verbesserung und Innovation lebt ja nun allerdings davon, immer wieder aufs Neue teils große Risiken einzugehen, neue Denk- und Handlungsmuster zu definieren, zu etablieren und ist damit aus einer reinen GTD – Sicht erst einmal kontraproduktiv, möchte man meinen. Das stimmt aber natürlich nur sehr bedingt. Nur Kontinuierliche Verbesserung führt zu besseren Produkten, effizienteren Abläufen und erfolgreichen Organisationen und Unternehmen – insbesondere im Hinblick auf die Mittel- und Langfristigkeit.
David Allen beschreibt in seinem Artikel 4 Handlungsoptionen, die je nach Situation anzuwenden sind, um eine Verbesserung des Umfelds oder aber dessen Kontrolle zu erreichen: Stretch, Disrupt, Regroup und Stabilize. Ich denke, die 4 Handlungen lassen sich sogar chronologisch ordnen und stellen im Kern einen Regelkreislauf dar:
- Stretch: Das bestehende Umfeld wird soweit auf neue Anforderungen gedehnt, wie möglich. Kernabläufe und Denkweisen werden zwar erweitert und angepasst, nicht aber im Fundament geändert.
- Disrupt: Irgendwann lassen sich bestehende Prozesse und Arbeitsweisen nicht mehr modifizieren und erweitern, um (neuen) Anforderungen gerecht zu werden. Sie werden durch etwas ganz Anderes, zunächst einmal sehr Fremdes, gefühlt oft sogar Störendes, ersetzt. Dies ist etwa oftmals der Fall, wenn man Scrum in einer Organisation einführt. Das alte Umfeld wird also zu großen Teilen über den Haufen geworfen.
- Regroup: Nach einer disruptiven Phase müssen neue Strukturen geschaffen und Prozesse etabliert werden. Ein neues Umfeld entsteht.
- Stabilize: Anpassung an das neue Umfeld und Optimierung der Arbeits- und Denkweisen an das neue Umfeld.
Die Kunst liegt nun darin, zu erkennen, wann welche Handlung sinnvoll erscheint. Ein Überspringen einer Phase scheint dabei nicht sinnvoll. Seien Sie aufmerksam und analysieren Sie, in welcher Phase Sie sich aktuell befinden. Nur so finden Sie heraus, welcher nächste Schritt der Richtige sein mag.
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